Jan 09 2019
'Small talk ist langweilig' – Über erfolgreiches Netzwerken

Ein gutes und belastbares professionelles Netzwerk ist zentral für ein erfolgreiches Arbeitsleben. Das wird schon Berufseinsteigern wie ein Mantra mit auf den Weg gegeben. Und im weiteren Karriereverlauf erfahren gerade Führungskräfte immer wieder, wie essentiell es ist, ‚gut vernetzt‘ zu sein: Um Inspiration und Input für neue Projekte zu bekommen. Um harte Entscheidungen in großen Organisationen durchzusetzen. Um interessante Menschen für das eigene Team kennenzulernen. Um vertrauensvolle Guidance auch in kritischen Situationen zu haben. Um auf neue Karrierechancen aufmerksam zu werden.

Heute funktioniert Networking vermehrt über digitale Plattformen. Ändert sich dadurch der Charakter des ‚Netzwerkens‘? Und was macht ‚erfolgreiches Networking‘ eigentlich aus?

Darüber habe ich mit dem Founding Partner von Kekst CNC, Dr. Christoph Walther, sprechen können.

Herr Dr. Walther, was bedeutet für Sie erfolgreiches Netzwerken – und worin besteht aus Ihrer Sicht der Hauptmehrwert?

Netzwerken ist nur dann erfolgreich, wenn alle Beteiligten dies als wertvoll empfinden. Die Freude am gegenseitigen Austausch muss der Motor für Netzwerken sein. Wer es betreibt, um daraus Nutzen zu ziehen, ist bald alleine.

Beim Networking geht es um die Pflege von Beziehungen – es soll explizit ‚menscheln‘. Wie stecken Sie hier die Grenzen zwischen ‚privat‘ und ‚professionell‘?

Nicht die Beziehung ,zu einem Menschen‘, sondern das ehrliche Interesse ‚an einem Menschen‘ öffnet die Herzen und schafft eine emotionale Brücke. Der Mensch ist eine Einheit, die sich nicht in eine professionelle und eine private Hälfte aufteilen lässt. Diskretion ist ein Muss. Das Entlocken von Vertraulichkeiten ist genauso Tabu wie das Verbreiten von Vertraulichkeiten.

"Wer viel zu sagen hat, muss auch gut zuhören können. Fakten, Thesen und Argumentation müssen einer kritischen Hinterfragung standhalten."

Dr. Christoph Walther Founding Partner of Kekst CNC

Gibt es im Sinne von ‚best practice‘ Faustregeln, die es zu beachten gilt? Oder ist es schlicht der richtige Mix aus Intuition und Interesse an Menschen, der zum Ziel führt?

Netzwerken macht man der Sache wegen und nicht, um ein Ziel zu verfolgen. Man gibt mehr als man bekommt, Vertrauen, Ideen, Offenheit, Persönliches etc. Man darf nichts erwarten, dann ist man auch nicht enttäuscht und umso mehr freut man sich, wenn etwas zurückkommt. Niemals pushy sein.

Wie sehr hängt Networking-Erfolg von der individuellen Persönlichkeitsstruktur ab – gibt es einen Selbstdarstellerbonus, und die Introvertierten sind chancenlos?

Wer sich schwertut auf Menschen zu zugehen, sollte sich nicht auf dieses Feld begeben. Man muss authentisch sein. Nur angelerntes Interesse an anderen Menschen wird schnell entlarvt. Smalltalk langweilt. Ein Bluff überlebt nicht lange. Wer viel zu sagen hat, muss auch gut zuhören können.  Fakten, Thesen und Argumentation müssen einer kritischen Hinterfragung standhalten. Sie müssen auf jeden Fall für den Gegenüber relevant und interessant sein.

Gibt es beim Thema Networking eine Genderthematik – brauchen Frauen dafür geschützte Räume?

Eine Genderthematik gibt es natürlich nicht. Aber natürlich gibt es spezielle Frauennetzwerke, so wie es berufsständische Vereinigungen, Parteien, Vereine oder auch Herrenclubs gibt. Und es ist auch gut, dass sich Frauen inzwischen verstärkt zusammentun.

Was sind die entscheidenden Foren – große Events, diskrete Treffen oder inzwischen eher digitale Communities?

Netzwerken ist nicht mit Wissens- und Erfahrungsaustausch gleichzusetzen. Letzterer läuft inzwischen überwiegend digital ab. Netzwerken hat auch immer eine emotionale Ebene und die entsteht klassischer Weise erstmals bei einer analogen Begegnung. Alle Formate, bei denen es also ausreichend Gelegenheit gibt, miteinander zu kommunizieren, sind geeignet. Veranstaltungen, zu denen man geht, um sich unterhalten zu lassen sind dagegen eine weniger gute Plattform als die Events, bei denen die Gäste selber zum Gelingen mit beitragen müssen.